I: Wien – Berlin

Europäische Depeschen I: Wien-Berlin – Der Berliner Theatermacher Alexander Karschnia diskutiert im Rahmen einer Veranstaltung der Europäischen Gemeinschaft für kulturelle Angelegenheiten mit dem Wiener Vermögensberater Leopold Seiler über Sinn und Unsinn des Euro.

Am 17. Juni 2012, dem griechischen Wahltag, fand in der Neuköllner Oper in Berlin die von der EUROPÄISCHEN GEMEINSCHAFT FÜR KULTURELLE ANGELEGENHEITEN (EGFKA) organisierte Matinee „EUROPÄISCHE DEPESCHEN I: Wien-Berlin“ mit Leopold Seiler und Alexander Karschnia statt. Im Rahmen dieser spannenden und tagesaktuellen Veranstaltung traf politisches Theater auf kapitalismuskritische Wirtschaft.

Dabei sprach sich der österreichische Vermögensverwalter und Wirtschaftsethiker Leopold Seiler gegen den Euro aus und meinte, dass die europäische Leitwährung, so wie sie heute dasteht, kein positives Signal an die Wirtschaft und die Menschen in der Eurozone sei.

Der Berliner Theatermacher und Mitbegründer des Theaterkollektivs „andcompany&Co.“, Alexander Karschnia, ging von David Graebers Ausgangsthese aus, wonach der Schuldenschnitt das Programm aller revolutionären Bewegungen der Antike gewesen sei. Er verwies aber auch immer wieder stark auf Europas Geschichte der Kolonialisierung und der damit einhergehenden Ausbeutung der sogenannten Dritten Welt. Die kritische Auseinandersetzung mit der europäischen Geschichte ist eine permanente Grundlage von Karschnias Theaterpraxis.

Da an diesem Sonntag großer Fußballtag war, gliederte sich auch die Matinee in zwei Halbzeiten. Diese wurden von der Schauspielerin Lucia Meinhold als Schiedsrichterin geleitet. Der Theaterwissenschaftler Florian Thamer moderierte durch den von ihm organisierten spannenden Nachmittag. In der 1. Halbzeit wurden von den beiden Diskutanten Fragen beantwortet, die von der EGFKA ausgearbeitet wurden. Diese Fragen wurden von den Gesprächspartnern per Los gezogen und dem Publikum projiziert (Setdesign: Sabrina Apitz). In der 2. Halbzeit kamen dann die Gäste zu Wort, die in der Halbzeit-Pause ihre Fragen in eine Losbox warfen. Außerdem stellte der österreichische Gast den Gewinn von 500.000 Euro in „gebrauchten, sehr kleinen Scheinen“ für die interessanteste Publikumsfrage in Aussicht. Groß war am Ende die Überraschung, als klar wurde, dass es sich hierbei um von der Deutschen Bundesbank geschredderte und zu einem kleinen Paket gepresste „Altscheine“ handelte, die man für 25 Euro erstehen kann.

Für die Konzeption der Matinee war die Theater-, Film- und Medienwissenschaftlerin Tina Turnheim hauptverantwortlich. Für sie ist die Matinee „spielerischer und trotzdem gehaltvoller Brückenschlag zwischen Menschen aus unterschiedlichen Bereichen und Ländern, ein sachliches Gegenprogramm zur omnipräsenten Fußballeuphorie“. Trotzdem durfte gelacht werden.

Gefördert wurde die erste EUROPÄISCHE DEPESCHE von der Neuköllner Oper und dem Internationalen Forschungskolleg „Verflechtungen von Theaterkulturen“ der FU Berlin.

Text: Fred Turnheim, MedienZirkus Berlin-Wien
Foto: Friederike Franze, Freiseindesign

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