II: Budapest – Berlin

Die EGFKA lädt herzlich zur zweiten Ausgabe ihres spielerischen Diskursformats.
Der Fokus liegt diesmal auf Ungarn.

Die medial omnipräsente Eurokrise versperrt den Blick auf einen Krisenschauplatz ganz anderen Kalibers mitten in Europa: Ungarn.

Hier hat die demokratisch legitimierte Regierung unter Victór Órban in Windeseile eine neue, nationalistische Verfassung und ein stark umstrittenes Mediengesetz eingeführt. Alle entscheidenden Positionen wurden mit Parteifreunden besetzt. Es wurde ein Klima geschaffen, in dem wieder offen gegen Roma, Juden und Homosexuelle gehetzt werden darf – und oft bleibt es nicht nur bei der Hetze.

Setzt die EGFKA diesmal den Fokus auf diese beunruhigenden Entwicklungen, wird damit die Finanzkrise aber auch nicht völlig außer Acht gelassen – vielmehr schärft sie in der Auseinandersetzung mit Ungarn den Blick dafür, was aus Wirtschaftskrisen erwachsen kann: Hatte doch Ungarn bereits 2006 seinen schweren wirtschaftlichen Einbruch – aus dem dann vor allem nationalistische Kräfte gestärkt hervorgegangen sind.

Als Gäste freuen wir uns, die Berliner Schriftstellerin und Übersetzerin Esther Kinsky und den Theatermacher Martón Gulyás aus Budapest gewonnen zu haben.

Esther Kinsky, die nach einer Recherchereise im Zuge ihres Grenzgängerstipendiums der Robert-Bosch-Stiftung (unter dem Motto „Nur gegenseitiges Verständnis kann ein erträgliches Verhältnis schaffen…“) sich dazu entschlossen hat, ihren Zweitwohnsitz im südungarischen Battonya, in der Nähe der Grenzen zu Serbien und Rumänien, aufzuschlagen.
Ihr jüngster in dieser Region spielende Roman „Banatsko“ erschien bei Matthes & Seitz und war 2011 auf der Longlist für den Deutschen Buchpreis.

Martón Gulyás ist der administrative Leiter der wohl international bekanntesten freien ungarischen Theatergruppe Krétakör. Diese von Árpárd Schilling gegründete Gruppe, hat sich 2008 dazu entschlossen, anstatt weiterhin innerhalb des konventionellen Theaterbetriebs zu arbeiten, den Rahmen für – auf sozialwissenschaftlichen Erkenntnissen beruhende -, kreative Gemeinschaftsspiele zu konzipieren. Neben dieser unkonventionellen kommunalen Arbeit mit Jugendlichen und/oder Minderheiten, sorgt Krétakör nach wie vor auch auf den großen Bühnen für Aufmerksamkeit: So wurde der letzte Teil der Crisis-Trilogie dieses Jahr u.a. bei den renommierten Wiener Festwochen gefeiert.

Wir fragen: Wie ist es möglich, dass in einem EU-Mitgliedstaat zugunsten eines „nationalen Projekts“(V. Órban) sämtliche demokratische Freiheiten sukzessive abgebaut werden? Interessiert sich niemand für die umfassende ungarische Krisensituation, da diese keinen Einfluss auf den Euro hat? Wie ergeht es jungen Kunst- und Kulturschaffenden unter solchen politisch-prekären bis gefährlichen Bedingungen? Formiert sich zivilgesellschaftlicher Widerstand?

EUROPÄISCHE DEPESCHEN – das spielerische und partizipatorische Diskurs- Format der EGFKA – vermittelt Wissen ohne zu belehren.

Gespielt werden zwei Halbzeiten à 45 Minuten.

Wir freuen uns auf Euch!

Samstag, 20.10.12, Neuköllner Oper, 16 Uhr.

Der Eintritt ist frei.
Die Veranstaltung findet diesmal in Englischer Sprache statt.

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